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Kommandantenkuppeln

Ein kurzer Streifzug durch die Geschichte der Kommandantenkuppeln der Kampfpanzer

Der Artikel unterliegt der weiteren Fortschreibung. Stand 10.11.2015

Teil 1 Teil 2 Teil 3 Teil 4 Bildquellen und Literatur

Teil I - Vom 1. Weltkrieg bis zum Vorabend des 2. Weltkrieges

Die Periode vor dem ersten Weltkrieg waren gekennzeichnet von gewaltigen technologischen Fortschritten bei der Entwicklung neuer Waffen. Angesichts der zunehmend Zahl leistungsfähiger Maschinengewehre und Infanteriebegleitgeschütze in den Armeen begann sich abzuzeichnen, dass die traditionellen Vorstellungen vom Einsatz der Infanterie in einem zukünftigen Krieg zu überdenken waren. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts waren erste brauchbare Panzerwagen auf der Basis üblicher Kraftfahrzeuge entstanden. Für den Einsatz im Zusammenwirken mit der Infanterie auf dem Gefechtsfeld waren sie jedoch kaum geeignet. Die Heeresführungen der großen europäischen Staaten begannen sich nun intensiver mit der Idee zu beschäftigen, Feuer, Panzerung und Beweglichkeit zu vereinen um der Infanterie eine größere Durchsetzungsfähigkeit auf dem Schlachtfeld zu verleihen. Im Jahre 1911 stellte der junge Oberleutnant Burstyn aus Österreich ein Patent für ein Motorgeschütz vor, das einer Konzeption folgte die noch heute bei jedem Kampfpanzer vorzufinden ist. In einem Drehturm mit Kanonenbewaffnung wurden der Kommandant, der gleichzeitig die Kanone zu laden hatte, und ein Richtschütze untergebracht. Burstyn hatte dabei richtig erkannt, dass der Kommandant nicht gleichzeitig die Aufgaben des Richtschützen übernehmen sollte, sondern sich der Führung des Panzers und insbesondere der Feuerleitung zu widmen habe. Vermutlich aus dem Grund, dass der Einsatz vielmehr als gepanzertes und bewegliches Begleitgeschütz für die Infanterie vorgesehen war, waren keine besonderen Beobachtungsmittel für den Kommandanten vorgesehen. Die Idee Burstyns wurde zunächst nicht weiterverfolgt weil sie der Generalität offensichtlich als zu phantastisch erschien. So konnten auch keine Erfahrungen im Verlaufe einer Truppenerprobung gesammelt werden. Die Idee für einen Kampfpanzer war jedoch geboren und hatte sich in den Köpfen vieler unkonventionell denkender Offiziere festgesetzt.

Als 1914 der Weltkrieg ausgebrochen war und nach kurzer Zeit in einem aussichtslosen Stellungskrieg erstarrte, besannen sich britische und französische Entwickler unter anderem auch des Patents Burstyns und begannen in kürzester Zeit die ersten Kampfpanzer zu konstruieren um die Erstarrung der Fronten endlich aufbrechen zu können. Interessant dabei, die Entwicklungen in Großbritannnien verliefen zunächst hinter dem Rücken der Generalität. Winston S. Churchill, damals Erster Lord der Admiralität, unterstützte ohne Wissen der vorgesetzten Stellen die Arbeiten. Der daraufhin im September 1915 zum ersten mal praktisch erprobte Panzer "LITTLE WILLIE" hatte mit einem Kampfpanzer noch nicht viel gemein. Im Februar 1916 wurde dann der Panzer MARK I der Militärführung vorgestellt. Seine 8-köpfige Besatzung wurde von einem Kommandanten geführt, der seinen Platz, neben dem Fahrer, an der höchsten Stelle des Panzers einnahm. Es ist durchaus berechtigt hier von einer ersten Form der Kommandantenkuppel zu sprechen, diente dieser gepanzerte Aufsatz auf der Wanne doch ausschließlich der Aufgabe der Führung des Fahrzeuges.

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Zwei Panzerklappen erlaubten einen in geöffnetem Zustand recht großen Sichtbereich beim Fahren außerhalb des Gefechtsfeldes. Unter Beschuss wurden die Klappen geschlossen und die Beobachtung durch zwei kleinere Sichtöffnungen geführt, die ihrerseite ebenfalls verschließbar waren. Zusätzlich wurden zwei  Sichtschlitze am oberen Rand der Führungskuppel angebracht. Je ein Sichtschlitz und eine Schießluke an den Seiten und an der Heckseite ermöglichten darüber hinaus auch die vollständige Rundumbeobachtung. Damit waren für den Kommandanten prinzipiell günstige Bedingungen geschaffen worden die Führungsaufgaben bestmöglich erfüllen zu können. Besondere Beobachtungsmittel, außer dem Doppelfernrohr, sind in Anbetracht der relativ geringen Schussentfernungen der Waffen ganz sicher noch nicht nötig gewesen. Auch für die Befehlsübermittlung an die Besatzung waren zunächste einfache akustische Sprachrohre völlig ausreichend, nötigenfalls konnten Befehle auch durch Handzeichen im Kampfraum weitergegeben werden. Der Fahrer saß ohnehin direkt neben dem Kommandanten. Angemerkt sollte noch werden, dass die Sichtschlitze noch nicht durch Panzerglas geschützt waren und eindringende Splitter aufprallender Geschosse die Besatzung ernsthaft verletzen konnten. Deswegen war es oft üblich zusätzliche Gesichtsmasken zu tragen, was dem Komfort im heißen und stickigen Kampfraum nicht sehr zuträglich war.
Gegen Ende des Krieges, ab 1917, entwickelten britische Militärs den Medium Tank Mark B. Dieser Panzer wurde aber erst Ende Sommer 1918 produktionsreif. Wegen des Kriegsendes  produzierte man lediglich 45 Panzer. Der Mark B erhielt nun erstmals eine hoch aufragende Kommandantenkuppel, so dass der Kommandant der vierköpfigen Besatzung privelegierte Beobachtungsmöglichkeiten vorfand. Die Kuppel besaß die üblichen Sichtschlitze und konnte geöffnet werden.

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Parallel zu den britischen Entwicklungen waren auch französische Konstrukteure dabei eigene Panzer zu entwickeln. Anders als in Großbritannien stießen jedoch die Vorschläge von innovativen Offizieren auf reges Interesse beim Generalstab. Die Arbeiten erfuhren bestmögliche Unterstützung. Der Entwurf der Firma Renault erwies sich dabei im Vergleich mit den Panzern der Firmen Schneider und St. Chamont als ein überwältigender Erfolg. Der Renault M 17/18 stellt in seiner Konzeption den Urvater aller späteren Kampfpanzer dar. Die Panzerwanne trägt einen drehbaren Turm mit Kanonen- oder MG-Bewaffnung. Für den Kommandanten, wurde auf dem Turm eine gesonderte Kommandantenkuppel aufgesetzt, die über Sichtschlitze eine volle Rundumsicht ermöglichte. Diese überaus innovative Lösung fand sich bei vielen später entwickelten Panzern wieder. Der Kommandant des Renault Panzers hatte also recht optimale Bedingungen für seine Tätigkeit. Einziger Mangel stellte die Tatsache dar, dass der Kommandant seine Beobachtungsmöglichkeiten nie voll ausschöpfen konnte, weil er auch die Aufgaben des Richtschützen und des Ladeschützen wahrnehmen musste. Angesichts der im ersten Weltkrieg noch begrenzten Gefahren auf dem Gefechtsfeld war dieser Kompromiss jedoch durchaus vertretbar.

In Deutschland fanden schon weit vor dem ersten Weltkrieg Versuche statt, die Motorisierung des Heeres voranzutreiben. Die eher unbefriedigenden Erfahrungen mit ersten Radpanzerwagen führten bis Kriegsbeginn zur Schlussfolgerung, dass diese Gefechtsfahrzeuge nicht für den Einsatz auf dem Schlachtfeld geeignet seien. Aus verschiedenen Gründen wurde dann erst Mitte Oktober 1916 mit den Planungen für die ersten Panzerprojekte begonnen. Im Januar rollten die ersten einsatzbereiten A7V an die Westfront. In seiner Konzeption orientierten sich die Konstrukteure recht eng an den britischen Tanks Mk I und II. So findet sich auch die selbe Unterbringung von Kommandant und Fahrer beim A7V wieder, mit allen bereits beschriebenen Vor- und Nachteilen.

In der Periode zwischen den beiden Weltkriegen beschäftigten sich die Konstrukteure mit der Vervollkommnung der Kampfpanzer, wobei sich das Konzept Drehturm mit Kanonenbewaffnung und mindestens zwei Mann Turmbesatzung allgemein durchsetzte. Ein Beispiel ist der französische schwere Durchbruchspanzer Char FCM 2C. Die Entwicklung begann 1917 und zog sich bis 1922 hin. In der Konzeption war dieserr Panzer seiner Zeit weit voraus. Der Fahrer saß vorn in der Wanne, auf der ein Drehturm mit einer wirkungsvollen langrohrigen 75 mm Kanone saß. Eine 40 mm Hauptpanzerung schützte ihn zuverlässig. Der fast 70 Tonnen schwere Panzer war aber ungeachtet der insgesamt 500 PS Antriebsleistung viel zu schwer.
Ein interessantes Detail an diesem Panzer ist die Kommandantenkuppel. Das Ziel war es, dem Kommandanten bestmögliche Beobachtungsbedingungen zu schaaffen und gleichzeitig den ballistischen Schutz bedeutend zu erhöhen. Die Gefahr war sehr groß, dass Splitter oder Infanteriegeschosse durch die ungeschützten Sichtschlitze dringen und den Kommandanten ernsthaft verletzten. Die französischen Ingenieure wollten das Problem lösen, in dem sie eine innere Kuppel mit großen Schichtglasscheiben ausstatteten. Über die innere Kuppel wurde eine äußere Panzerglocke gehängt, die auf Kugellagern auf einem elektrifizierten Antriebsblock aufgesetzt war. In die äußere Glocke wurden vertikale Sichtschlitze eingearbeitet. Wurde die äußere Glocke in schnelle Rotation versetzt, konnte der Kommandant im Ergebnis des Stroboskop-Effekts durch die Sichtscheiben des inneren Kuppel beobachten ohne durch die äußere Glocke behindert zu werden. Die Realität zeigte später allerdings eine hohe Störanfälligkeit dieser Kuppel, insbesondere die zu geringe Standfestigkeit gegen auftreffende Geschosse und Splitter.


In Großbritannien wurden eine Anzahl leichter und mittlerer Kampfpanzer entwickelt für deren Kommandanten zunächst keine Kommandantenkuppel vorgesehen war. Man vertrat die Meinung, dass der von dem polnischen Ingenieur Rudolf Gundlach entwickelte Winkelspiegel Mk.4 für die Rundumbeobachtung völlig ausreichend sei. Der zu Recht revolutionäre Winkelspiegel Mk.4 wurde zum ersten Mal im polnischen leichten Panzer 7-TP eingesetzt und bietet ein sehr großes Sichtfeld bei einer Drehbarkeit um 360 Grad und über ein verschiebbares Zusatzprisma sogar die Möglichkeit rückwärts zu beobachten. Der Winkelspiegel ist zwar das einzige Beobachtungsgerät des Kommandanten des Mathilda, er ist aber äußerst unkompliziert in der Handhabung, bedarf keines Kraftaufwandes und bei Beschädigung kann das Ausblickprisma rasch und einfach ausgetauscht werden. Weil zum Beobachten das gesamte Gehäuse des Winkelspiegels verdreht werden muss, ist die räumliche Orientierung des Beobachtenden in Bezug zur Stellung des Turms recht einfach. Beim leichten Panzer Matilda I wurde der drehbare Winkelspiegel zusätzlich in eine ebenfalls drehbare Luke eingebaut, was die Ergonomie deutlich verbesserte.

Beim Kreuzerpanzer A15 Crusader Mk1 wurde auf die drehbare Luke als Grundplatte für den Winkelspiegel wieder verzichtet. Der drehbare Winkelspiegel des Kommandanten als dessen einziges Beobachtungsgerät fand seinen Platz im Zentrum der Turmdecke auf dem höchsten Punkt. Ein weiterer gleichartiger Winkelspiegel ist über dem Ladeschützenplatz eingebaut. Beim Crusader taucht auch ein interessantes, sehr britisches Detail auf. Eine Art mechanisches Visier auf der Turmdecke erlaubt es dem Kommandanten über seinen Winkelspiegel und dieses Visier hinweg mit Hilfe von Anweisungen an den Richtschützen den Turm und somit das Hauptzielfernrohr horizontal sehr genau auf ein erkanntes Ziel auszurichten. Dadurch kann die Zeit für die Feuereröffnung unter Umständen erheblich verkürzt werden, was überlebenswichtig im Gefecht ist. Dieses mechanische Visier ist beim Crusader vorne auf dem Turm über der Walzenblende der Kanone vor dem Winkelspiegel des Kommandanten befestigt. Nach erfolgreichen Erprobungen im Sommer 1938 ein neuer Infanteriepanzer zur Serienproduktion freigegeben. Dies war der Panzer Matilda II.

 

Im Gegensatz zu seinem Namensvetter, dem Matilda I, erhielt er eine völlig neu konstruierte Kommandantenkuppel. Sie besteht aus einer recht massiven Kuppelbasis die mit der Turmdecke nicht verschweißt war, sondern mit Schrauben befestigt wurde. Das ermöglichte nicht nur die rasche Instandsetzung, sondern auch eine spätere unkomplizierte Modernisierung. Die Kuppelbasis trägt auf einem Kugellagering eine um 360 Grad drehbare zweigeteilte Luke deren eine Hälfte ein MkIV Periskop trägt, das wie die gesamte Luke wiederum selbst um 360 Grad drehbar ist. Dabei ist die gesamte Luke ausgesprochen flach gehalten und damit wenig durch Beschuss gefährdet. Es ist durchaus berechtigt festzustellen, dass diese neue Lösung der Ausgangspunkt aller späteren britischen Kommandantenluken bis heute ist.

In Deutschland wurde der Mitte der 1930er Jahre entwickelte Panzerkampfwagen II in der Ausführung "A" zunächst nur mit mehreren Sichtschlitzen in der Turmpanzerung versehen. Die Mehrzahl der PzKpfw II erhielt dann aber eine als ausgesprochen innovativ zu bezeichnende Kommandantenkuppel. Sie bestand aus einem Ring starr um die Kommandantenluke herum in die Turmdecke eingebauter Winkelspiegel und gewährleistete eine ausgezeichnete Rundumsicht. Die Wehrmacht hatte früh erkannt, dass die Führbarkeit durch den Panzerkommandanten in Verbindung mit Panzerfunkgeräten essentiell wichtig für den Erfolg im Gefecht ist. Alle nachfolgenden deutschen Kampfpanzer erhielten dann ganz konsequent ebenfalls eine aufgesetzte Kommandantenkuppel für optimale Rundumsicht. Wenn auch der Kommandant des PzKpfw II zusätzlich die Aufgaben des Richtschützen erfüllen musste, so fand er dennoch optimale Sichtbedingungen für die Beobachtung vor. Diese Kommandantenluke war im Grunde bereits so ideal gestaltet, dass sie sich bis heute in vielen Kampfpanzern wiederfindet. Insbesondere die Möglichkeit ohne zusätzliche Anstrengungen in kurzer Folge in unterschiedlichen Richtungen zu beobachten ist bei dieser Kommandantenluke optimal gewährleistet. Die sehr flach gehaltene Ausführung bietet zusätzlich wenig Trefferfläche für Geschosse, der Kopf des Kommandanten befindet sich unterhalb der Ebene des Turmdaches. Vom Gesichtspunkt des Panzerschutzes für den Kommandanten ein weiterer großer Vorteil dieser Luke.

Für die mittleren Kampfpanzer der Wehrmacht, die PzKpfw III und IV, entschieden sich die Entwickler für eine aufgesetzte, relativ hoch aufragende Kommandantenkuppel. Sie enthielt 5 Sichtblöcke mit Panzerglas die jeweils durch eine zweiteilige, stufenlos verstellbare Panzerblende geschützt waren. Diese grundlegende Bauart wurde bis auf mehrfache Verbesserungen für diese Panzer bis zum Kriegsende beibehalten. Eine mechanische Visiereinrichtung wie sie schon bei den britischen Panzern Verwendung fand wurde ebenfalls vor der Kuppel angebracht um eine rasche und ausreichend genaue Zielzuweisung an den Richtschützen zu ermöglichen. Die Sichtbedingungen bei geschlossener Luke waren gut, jedoch nicht so optimal wie beim PzKfw II. Die zweiteilige Luke erlaubte eine ungehinderte Rundumsicht wenn der Kommandant aus der geöffneten Luke beobachtete. Und dies war eine sehr oft geübte Praxis. Spätere Baulose wurde mit einem einteiligen Lukedeckel ausgeliefert. Der Verzicht auf einen Ring von mehreren Winkelspiegeln wie beim PzKfw II ist vermutlich zurückzuführen auf beschränkte Ressourcen und natürlich auch auf den Willen zur Kostenminimierung.

Eine innovative Besonderheit dieser Kommandantenluke besteht darin, dass sich am oberen Drittel der Kuppel ein gesonderter Turmstellungsanzeiger für den Kommandanten befindet. Er besteht aus einem Ring mit Richtungsmarkierungen im Uhrzeit-Format. Dieser Ring ist drehbar gelagert. Der Zahnkranz am Turmlager der Wanne treibt ein Getriebe am Turmgehäuse an. Diese Drehung wird über eine Kardanwelle nach oben in die Kommandantenkuppel übertragen, wo ein Zahnrad am Ende der Kardanwelle in den Zahnkranz des Uhrzeit-Rings des  Turmstellungsanzeigers eingreift. Dadurch wird der Uhrzeit-Ring entgegengesetzt der Turmdrehung verdreht, so dass die 12-Uhr-Marke in der Kommandantenkuppel ständig mit der 12-Uhr-Richtung der Wanne übereinstimmt. Diese Skala des Turmstellungsanzeigers ist rundum vollständig sichtbar. Der Kommandant kann aus diesem Grund die Richtung zu erkannten Zielen in seinem 360 Grad Beobachtungsbereich unmittelbar ablesen und dem Richtschützen zuweisen, der sich dabei an seinem Turmstellungsanzeiger orientieren kann.
Mit wenig technischem Aufwand konnte dem Kommandanten ein wertvolles Hilfsmittel zur Feuerleitung in die Hand gegeben werden. Eine solche Einrichtung ist aus keinem anderen Kampfpanzer dieser Zeit bekannt und gehörte ebenfalls im Pz IV zur Ausstattung sowie später auch im Tiger bzw. Panther.

 

In Frankreich wurde ebenfalls den Sichtbedingungen des Kommandanten, wie schon beim Renault M17/18, größte Aufmerksamkeit gewidmet. Wenn auch die Verantwortlichen der Armeeführung der Meinung waren, der Kommandant könne führen und zugleich schießen, so statteten sie die Kommandantkuppel jedoch außergewöhnlich gut mit Beobachtungsmitteln aus. Die französische Kommandantenkuppel erweist sich als echte Kuppel, die auf dem Turmdach in einem um 360 Grad drehbaren Lagerring aufgesetzt ist. Sie enthält einen geschützten Sichtschlitz für die Beobachtung ohne Vergrößerung und zusätzlich ein vergrößerndes Beobachtungsfernrohr für die Suche und Identifizierung weit entfernter Ziele. Damit waren die Franzosen ihrer Zeit weit voraus, die Notwendigkeit ein Fernrohr in der Kommandantenluke einzubauen rückt erst wieder zum Ende des 2. Weltkrieges in den Focus der Konstrukteure. Bemerkenswert ist auch, dass die Konstrukteure daran dachten, das Beobachtungsfernrohr durch einen beweglichen Splitterschutz gegen Beschädigung zu schützen. Zusätzlich zur Kommandantenkuppel konnte der Kommandant des Somua rechts und links an den Turmseiten eingebrachte Sichtschlitze mit Panzerglas nutzen. Eine einfachste mechanische Visiermöglichkeit in Form eines Richtstabes vor der Kuppel für die Zielzuweisung durch den Kommandanten findet sich, möglicherweise als Nachrüstung, auch bei verschiedenen französischen Panzern.

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Vom Gesichtspunkt der Beschussfestigkeit ist die große Höhe dieser Kuppel wenig vorteilhaft, sitzt doch der Kommandant in dieser schwach gepanzerten Kuppel deutlich oberhalb der schützenden Turmpanzerung die bei den französischen Panzern für diese Zeit überdurchschnittlich stark war. Für den französischen Panzerkommandanten ergaben sich jedenfalls ausgezeichnete Möglichkeiten für die Beobachtung und Führung, die leider dadurch getrübt werden, dass der Kommandant auch zugleich Richtschütze war. Aus diesem Grund wird es auch nicht als sonderlich nachteilig empfunden worden sein, dass diese Kuppel keine zu öffnende Luke für die schnelle Sicht über den Lukenrand aufweist. Der Verlauf des Krieges wird später den Verantwortlichen auch diese Mängel an Führungsmöglichkeit drastisch vor Augen führen.

Die Panzerkonstrukteure in der Tschechoslowakischen Republik entschieden sich für besondere, hoch aufragende Kommandantenkuppeln die auf den Turm aufgesetzt sind. Die konstruktive und technologisch recht einfache Ausfertigung lässt ahnen, dass der Aspekt der Kosten eine große Rolle spielte. Beim LTL-H ist diese Kuppel für die Rundumsicht drehbar und verfügt über einen Sichtschlitz mit Panzerglas. Beim Panzer ČKD TNH dagegen entschied man sich für eine starre Kuppel, die für die Rundumsicht über 4 mit Panzerglas geschütze Sichtschlitze verfügt. Damit scheinen sich die Entwickler beim CKD TNH eher am französischen Vorbild orientiert zu haben. Ein zusätzliches gesondertes Rundblickperiskop für den Kommandanten ist links vor der Kuppel in der Turmdecke untergebracht. Ein weiteres Rundblickperiskop für ein zweites Besatzungsmitglied ist zusätzlich in der Turmdecke montiert.

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Ein Nachteil besteht jedoch darin, dass sich der Kopf des Kommandanten in der Kuppel deutlich oberhalb der schützenden Hauptpanzerung des Turms befindet. Der Sicherung bester Sichtbedingungen für den Kommandanten wurde offensichtlich die größere Aufmerksamkeit geschenkt. Angesichts der ohnehin sehr schwachen Turmpanzerungen dieser Panzer wird sich der Nachteil der Gefährdung des Kommandanten allerdings relativiert haben.

Die sowjetischen Konstrukteure konnten auf die Ergebnisse zurückgreifen die aus dem Umstand resultierten, dass deutsche Konstrukteure wegen der Rüstungsbeschränkungen durch das Versailler Abkommen nahe der Stadt Kasan seit Anfang der 1930-er Jahre in einer durch die Sowjetunion genehmigten Forschungsbasis die Entwicklung neuartiger optischer Geräte für Panzer vorantrieben. Als Beteiligte an diesem deutschen Geheimprojekt wählten die sowjetischen Konstrukteure die Variante eines in der Turmdecke eingebautes Rundblickfernrohrs als einzige Optik für die Rundumbeobachtung aus und begannen sie in großen Stückzahlen zu produzieren. Diese Periskope der Baureihe PT konnten sowohl als Beobachtungsgerät PT-K wie auch als Zielfernrohr PT-1 für das Schießen mit der Hauptbewaffnung eingesetzt werden. Bei nahezu allen neu entwickelten sowjetischen Panzern bis Kriegsbeginn findet sich diese Anordnung der Beobachtungsgeräte wieder. Im Foto ist stellvertretend der BT-7M dargestellt. Die Rundblickfernrohre erlaubten dem Kommandanten einen Rundumblick über 360 Grad unter vollem Panzerschutz. Jedoch standen bei Ausfall des Periskops keine weiteren optischen Geräte oder andere Sichtmöglichkeiten für die Rundumbeobachtung zur Verfügung außer je einem verschließbaren Sichtschlitz mit Panzerglas an den beiden Turmseiten. 07-029-BT-7M.jpgAuch vom Gesichtspunkt der Ergonomie ist das Rundblickperiskop als einziges Beobachtungsgerät nicht die optimalste Lösung. Ein rascher Wechsel der Beobachtungsrichtung ist kaum möglich. Die sowjetischen Panzer hatten bis auf die Führungspanzer ab Kompanieebene in der Regel keinerlei Funkgeräteausstattung. Die Führung der Panzereinheiten im Gefecht erfolgte also bei Lageänderungen ausschließlich mit Flaggensignalen. Da keine Kuppel mit ständiger Möglichkeit zur Rundumsicht vorgesehen wurde, war das ständige Beobachten der Flaggensignale des Kommandeurs mitten im Gefecht ein äußerst schwieriges Unterfangen. Obendrein musste der Kommandant zum Geben von Flaggensignalen die Luke öffnen um sich ungeschützt relativ weit aus der Luke zu beugen. Es soll erwähnt werden, dass die sowjetischen Panzerkommandanten am Vorabend des Weltkrieges wie ihre französischen Kollegen eine Doppelfunktion wahrnehmen mussten. Bei den Panzern der Serie BT und anderen handelten die Kommandanten zusätzlich als Ladeschützen, im erst 1940 fertig gestellten T-34/76 übernahm der Kommandant hingegen in Zweitfunktion die Aufgaben des Richtschützen. In beiden Fällen waren die Kommandanten überlastet und von ihrer eigentliche Aufgabe abgelenkt.

In den USA fanden nach dem 1. Weltkrieg die Entwicklungen auf dem Gebiet des Panzerbaus und der Aufstellung von modernen Panzertruppen zunächst wenig Widerhall, ja man verringerte die Anzahl der Panzertruppenteile erheblich. Erst ab Mitte der 1930-er Jahre begann man ernsthaft eigene Unternehmen mit der Entwicklung von Panzern zu beauftragen. Kurz vor dem Ausbruch des II. Weltkrieges in Europa waren erste Modelle leichter und mittlerer Panzer produktionsreif. Die geostrategisch komfortable Lage der USA führte aber offenbar zu einer Unterbewertung der Panzertruppe, die viel mehr als reine Unterstützungswaffe für die Infanterie gesehen wurde. Beispielhaft steht hier der leicht gepanzerte Panzer M2. bei dem für den Kommandanten außer Sichtblenden in den Turmseiten keinerlei weitere Beobachtungseinrichtungen vorhanden waren, was sogar für einen Infanterieunterstützungspanzer als unzureichend eingeschätzt werden muss. Der M2 wurde dann richtigerweise auch nicht in den Kriegseinsatz entsendet.

Am Vorabend des II. Weltkrieges hatten lediglich die europäischen Großmächte Deutschland, Frankreich, Großbritannien und die Sowjetunion die Lektionen des letzten Weltkrieges verinnerlicht, in der Folge eine nennenswerte Panzertruppe aufgestellt und mit völlig neu entwickelten Panzern ausgestattet. Die Ansichten zum späteren Kriegseinsatz der Panzerverbände spiegeln sich dabei anschaulich in den für unabdingbar erachteten Führungsmitteln für die Kommandanten wieder. Die Sowjetunion folgte der Idee tiefgreifender Panzeroperationen und entwickelte zweckmäßige und schnelle Kampfpanzer mit sehr guter Bewaffnung, die in großen geschlossenen Verbänden handeln sollten. Die Bedeutung des Einzelpanzers und damit des Kommandanten lag dabei nicht im Focus von Armeeführung und Konstrukteuren. Ganz anders die deutsche Philosophie, die ebenfalls den tiefen Vorstoß großer Panzerverbände vorsah. Die deutsche Wehrmacht, den preußischen Traditionen folgend, führte ihre Truppen nicht mit einem rigiden Befehlskorsett sondern mit Aufträgen die den Führern aller Ebenen weitreichende Entscheidungsbefugnisse zubilligte. Folgerichtig wurden die Kampfpanzer von Kommandanten geführt, die sich ausschließlich auf die Führung konzentrieren konnten und dazu mit sehr guten Kommandantenkuppeln und mit Funkgeräten ausgestattet wurden. Die Führung der französischen Armee hingegen konnte zwar auf technologisch hochmoderne Panzer mit starker Panzerung und Bewaffnung zurückgreifen; die Kommandanten der überwiegend auf Unterstützung der Infanterie zugeschnittenen Panzer waren mit Führung und Bedienung der Bewaffnung überfordert. Die Väter der britischen Panzertruppen hatten die Anstrengungen der anderen Staaten aufmerksam beobachtet und ihre Schlussfolgerungen gezogen. So standen den Kommandanten Kuppeln zur Verfügung die den zukünftigen Anforderungen sehr gut gewachsen waren. Die Konsequenz auch große Panzerverbände aufzustellen und sich dazu auf wenige, aber aussichtsreiche Panzerkonstruktionen zu stützen scheute man in der britischen Armeeführung zunächst noch zu Gunsten einer Vielzahl unterschiedlichster Typen, als 1939 der II. Weltkrieg mit dem Überfall Deutschlands auf Polen begann und die Konzeption Moderner Kampfpanzer ihre Prüfungen bestehen musste. Dazu weiter im folgenden Kapitel.

 

Teil 1 Teil 2 Teil 3 Teil 4 Bildquellen und Literatur

 

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