[Unten]

  Home    Ladeautomaten   Bewaffnung   Munition   Feuerleitanlagen   Stabilisatoren   Allgemeines   Impressum   Links   Neues  

Inhalt:

T-14 Armata (PzK)

Die Panzerkanone des russischen T-14 ARMATA - Entwicklung und Perspektiven

Der Artikel unterliegt der weiteren Fortschreibung. Stand 22.03.2020

Vor der öffentlichen Präsentation des Erprobungsmusters T-14 ARMATA geisterte der legendäre Kampfpanzer T-95 bereits einige Jahrzehnte durch die Medien und eine der vielen unbekannten Fragen lautete, mit welche Kanone wird der neue Kampfpanzer ausgestattet werden. Viele Beobachter setzten auf eine Kanone mit vergrößertem Kaliber. Der Grund war das Bestreben, die über die Jahre immer unzureichender werdende Durchschlagsleistung der APFSDS-Geschosse auf ein höheres Niveau zu bringen. Dies schien am einfachsten mit einer 152 mm Glattrohrkanone realisierbar zu sein. Kanone-125mm-2A82-03.jpg
Eines der Hauptprobleme in Verbindung mit der Durchschlagsleistung der panzerbrechenden Wuchtmunition war der Umstand, dass die Magazine der russischen Ladeeinrichtungen konstruktiv bedingt nur Geschosse bis 740 mm aufnehmen konnten. Forschung, Entwicklungsarbeiten und Erprobungen mit 125 mm als auch mit 152 mm Kanonen zeigten offensichtlich, dass zum einen eine Kalibervergrößerung derzeit nicht zwingend erforderlich ist, und zum zweiten, dass die voluminösere und schwerere 152 mm Munition mehr konstruktive und taktische Einschränkungen mit sich bringt als Vorteile zu erwarten waren, zumal die Notwendigkeit bestände, eine völlig eigenständige Munitionsproduktion bei sehr hohen Investitionskosten aufzubauen. Mit der medial überschwänglichen Vorstellung des T-14 ARMATA fiel dann auch der Schleier über der Frage der Bewaffnung. Die Entwickler in der Geschützfabrik ZAVOD Nr. 9 in Ekaterienburg hatten parallel zwei Kanonen entwickelt, die 125 mm Glattrohrkanone 2A82 und eine 152 mm Glattrohrkanone 2A83, die sich beide nur in wenigen Details unterscheiden. Allerdings liefen Entwicklungsarbeiten für Panzerkanonen vergrößerter Leistung schon seit Mitte der 70-er Jahre. So verfügte die 125 mm Glattrohrkanone 2A49 (D-89) aus dieser Zeit bereits über einen vertikal arbeitenden Keilverschluss (Fotos).

Ursprünglich war vorgesehen, die bestehende, mit der 125 mm 2A46M bewaffnete Panzerflotte mit Hilfe der 2A82 zu modernisieren. Deren Fähigkeit zum Bekämpfen moderner Kampfpanzer sollte durch Einführung neuer, deutlich längerer APFSDS-Geschosse erhöht werden. Allerdings erwies sich, unter anderem, die Modifizierung der Ladeeinrichtungen für die Aufnahme dieser langen Geschosse als äußerst aufwändig und kostenintensiv. Die Verwendung der 2A82 in Verbindung mit der bisherigen Munition erlaubte wiederum nicht die volle Ausnutzung der gestiegenen Leistungsfähigkeit der kostenintensiveren 2A82. Unter anderem aus diesen Gründen wurde letztlich das Vorhaben aufgegeben, die 2A82 in zu modernisierende T-72, T-80 und T-90 einzubauen. Einzig der T-14 ARMATA mit seiner neuen Konzeption für die Ladeeinrichtung war geeignet Geschosse mit einer Länge von bis zu einem Meter aufzunehmen und zu verschießen. Für den  ARMATA wurde nach Abwägung aller Vor- und Nachteile dann die Kanone in der 125 mm Modifikation 2A82-1M ausgewählt. Für die ursprüngliche 2A82 war von der Geschützfabrik in Ekaterienburg im Juni 2003 schließlich auch eine Patentanmeldungen eingereicht worden.

Kanone-125mm-2A82-02.jpg
 Bild 2

Hier nun eine Zusamenfassung der Informationen die über die Kanone 2A82 bzw deren Modifikation 2A82-1M für den T-14 ARMATA bekannt geworden sind. Da der ARMATA ein ausgesprochenes Prestigeprojekt ist und auch weil die Entwicklungs- und Erprobungsarbeiten noch nicht abgeschlossen sind, unterliegen die meisten technischen Daten weiterhin der Geheimhaltung.
Inzwischen sind mehrere Patente zur neuen leistungsgesteigerten Panzerkanone bekannt und es existieren auch Fotos von Ausstellungsmodellen der 2A82-1M sowie TV-Videos von Erprobungsschießen, so dass mit einiger Sicherheit davon ausgegangen werden kann, dass die Patente recht zutreffend auch die im ARMATA eingesetzte Kanone 2A82-1M beschreiben.

Kanone 2A82-1M Beschreibung
Bild 3

Die Kanone besteht traditionell aus dem Rohr mit Bodenstück sowie der für die Betätigung des Verschlusskeils zuständigen sogenannten Halbautomatik. Weiterhin gehören die Wiegeneinrichtung, die Rohrrücklaufeinrichtung und die Abfeuerungsbaugruppe zur Kanone. Die Rücklaufeinrichtung umfasst zwei hydropneumatische Rücklaufbremsen, die sich wie schon bei der Kanone 2A46M diagonal gegenüberliegen, um zu gewährleisten, dass zur Verringerung der Streuung die Kanone beim Rücklauf keinem Kippmoment ausgesetzt ist. Ein hydropneumatischer Rohrvorholer zieht den rücklaufenden Teil der Kanone wieder in die Ausgangsstellung vor. Die Öffner- und Schließeinrichtung gewährleistet das Schließen des Verschlusses beim Laden und das Spannen der beiden Federn für das Öffnen und Schließen des vertikal wirkenden Verschlusskeils. Eine Besonderheit dieser Kanone besteht darin, dass sie für den Einsatz in einem unbemannten Turm vorgesehen ist. Alle Funktionen für das Öffnen und Schließen müssen ohne unmittelbaren Kräfteeinsatz der Besatzung möglich sein, die sich ja im Wannenbug befindet. So sind gemäß des Patents offensichtlich elektrohydraulische oder auch elektromechanische Betätigungseinrichtungen vorhanden. Möglicherweise für den Notbetrieb zeigt die Patentzeichnung auch einen Hebel für eine Handbetätigung, denkbar ist hier eine handbetätigte Pumpe für einen hydraulischen Stellantrieb.

Kanone 2A82-1M Beschreibung
 Bild 4


 Bild 5

Der im Patent dargestellte Zahnbogen an der Wiege deutet darauf hin, dass im Patentmodell eine klassische Höhenrichtmaschine vorgesehen war. Es ist anzunehmen, dass dies für den ursprünglich angedachten Einsatz als Modernisierungsoption für die in die Jahre gekommene 2A46M Kanonen in dieser Weise entwickelt worden war. Für den besatzungslosen Turm des ARMATA erscheint diese Variante allerdings wenig wahrscheinlich. Die Kanone befindet sich hier in einem Turm mit sehr begrenzten Innenmaßen, wie das Foto 5 eines T-95 Prototypen zeigt. Dessen Turm entspricht im Konzept dem des ARMATA. Im Foto 5 ist die verschraubte Montageluke im Turmheck entfernt und das Bodenstück der Kanone erkennbar. Das Foto veranschaulicht damit auch eines der Probleme dieses Turms. Der Zugang zu den Baugruppen im Turminneren für Wartung und Instandsetzung ist ergonomisch äußerst anspruchsvoll, zumal auch die Baugruppen der Ladeeinrichtung mit den vertikal angeordneten Munitionskassetten zusätzlich einen großen Teil des Innenvolumens einnehmen. Der Einsatz einer manuellen Zahnbogenrichtmaschine erscheint also hier eher unzweckmäßig. Alternativ könnte eine hydraulische Richteinrichtung für Wartungszwecke vorhanden sein. Bei einem elektrischen Richtantrieb, wie er beim neuen Waffenstabilisator 2E58 verwendet wird, könnte auch ein mechnischer Backup-Antrieb, direkt wirkend auf den Asynchron-Elektromotor, für das manuelle vertikale Richten vorhanden sein.

Kanone 2A82-1M Beschreibung Verschluss
 Bild 6

Die Halbautomatik für das Betätigen des Verschlusskeils unterscheidet sich deutlich von dem in der Kanone 2A46M verwendeten. Wurde bisher die Energie des Rohrvorlaufes unmittelbar über eine Öffnerstange zum Betätigen des Verschlusses eingesetzt, so werden nun während des Rohrrücklaufes sowohl die Öffnerfeder als auch die Schließerfeder gleichzeitig gespannt. Arbeitet der Verschluss im Verzögerungsmodus, so erfolgt das Öffnen des Verschlusses und das Auswerfen des Hülsenbodens erst auf ein gesondertes Signal. Die Entwickler erklären im Patent, dass dadurch die Pulvergasbelastung im Turminneren gering gehalten werden kann, weil auf diese Weise ausreichend Zeit besteht, in der die Gase nach vorn aus der Mündung der Kanone abziehen können. In diesem Fall verringert sich die Feuergeschwindigkeit erheblich. Videoaufnahmen aus TV-Beiträgen zeigen allerdings, dass auch nach dem verzögerten Öffnen des Verschlusses eine ganz erhebliche Menge Pulvergase in den Turminnenraum austreten wird. Während des Schießens in der Bewegung oder bei entsprechenden Windverhältnissen ist überdies kaum zu erwarten, dass die Pulvergase über die Rohrmündung abziehen.

Kanone-125mm-2A82M1-05.jpg
 Bild 7

Kanone-125mm-2A82M1-06.jpg
 Bild 8

Die beiden Fotos 7 und 8 zeigen das Auswerfen des Stahlbodens der Teilabbrandkartusche unmittelbar nach dem deutlich verzögerten Öffnen des Verschlusses und das nachfolgende Ausströmen von großen Mengen Pulvergases. Auch wenn der Turm besatzungslos betrieben wird, so ist es doch nicht wünschenswert, dass sich die enthaltenen feste Bestandteile aus den Rauchgasen im Innenraum auf den Baugruppen und Teilen absetzen und sie nachhaltig verschmutzen. Über den Einsatz einer pneumatischen Rohrausblasvorrichtung ist bis jetzt nichts bekannt geworden, dies ist jedoch auch nicht auszuschließen.

Der Verzicht auf den bisher üblichen, nach dem Ejektorprinzip arbeitenden Rauchabsauger begründen die Entwickler damit, dass wegen dem besatzungslosen Turm die Notwendigkeit für eine solche Einrichtung entfallen ist. Beim Entwicklungsprojekt Objekt 292, einem T-80 mit 152 mm Glattrohrkanone, hatten die Entwickler ungeachtet des Turms mit Besatzung schon einmal auf einen Rauchabsauger am Rohr der Kanone verzichtet. In einem weiteren Patent "Panzerkanone" des Geschützherstellers ZAVOD Nr.9 vom Juli 2017 wird nun darauf verwiesen, dass der Abschnitt des Rohres, in dem sich die für den Rauchabsauger eingebrachten Bohrungen befinden, eine Schwachstelle darstellt. Hier kommt es konzentriert zu unerwünscht hohen Materialspannungen und zu verstärkten Verschleißerscheinungen was die Festigkeit und die mögliche Lebensdauer des Rohres deutlich verringert. Das Patent schlägt als Lösung eine Anhebung der Wandstärke des Rohres in diesem Abschnitt um 20-30 % vor (im Bild 9 der Abschnitt "A"). Auslöser für die Patentidee ist möglicherweise eine vorgesehene Leistungssteigerung der Treibladungen für modernere APFSDS-Geschosse und sicherlich auch der Wunsch nach Verbesserung der betriebswirtschaftlichen Situation. Die 125 mm Kanone 2A46M war für einen maximalen Rohrinnendruck von etwa 510 MPa ausgelegt. Es ist weiterhin bekannt, dass die Kanone KBA-3, eine ukrainische Kopie der 2A46M, einen maximalen Rohrinnendruck von bereits 637 MPa erlaubt. Die neue Kanone 2A82 ist demgegenüber ausdrücklich für eine neue, weiter leistungsgesteigerte Munition mit vergrößerter Treibladung entwickelt worden, womit der maximal zulässige Rohrinnendruck nochmals deutlich gestiegen sein wird. Die deutsche Zeitschrift Europäische Sicherheit & Technik schreibt, dass der maximale Rohrinnendruck nunmehr auf etwa 770 MPa angestiegen wäre. Auch wenn diese Angabe nicht sicher bestätigt ist, so liegt es nahe, dass der Verzicht auf den Rauchabsauger letztlich notwendig geworden ist, um die genannte Schwachstelle im Bereich der ringförmigen Rohraufbohrungen für den Rauchabsauger zu beseitigen.

2A46M-5-ejektor-1.jpg
 Bild 9

Beschreibung-1d.jpg
 Bild 10

Im Zusammenhang mit der geplanten Leistungssteigerung wurde an der Kanone 2A82 auch eine Modifizierung am Ladungsraum vorgenommen. Aus vernünftigen wirtschaftlichen Erwägungen heraus soll die 2A82 in der Lage sein sowohl die großen Lagerbestände alter 125 mm Munition zu verschießen, als auch neu entwickelte APFSDS-Munition mit vergrößerter Zusatztreibladung und Geschosslänge. Dazu wurde der Übergangskegel vom Ladungraum zum Rohr im Bereich der Geschossaufnahme in zwei voneinander getrennte Abschnitte aufgeteilt. In der Folge ist es möglich die Geschosse mit der Ladeeinrichtung so anzusetzen, dass alle Geschoss auch bei unterschiedlichen Längen fest im entsprechenden Übergangskegel anliegen und die Gasabdichtung beim Schuss sowie der Übergang der Führungsringe in das eigentliche Rohr optimal gewährleistet ist.
Die Länge des Rohres hat sich im Rahmen der Verbesserung der ballistischen Leistung der Kanone offenbar vergrößert. Die verschiedenen Quellen melden dabei jedoch unterschiedliche Angaben. So schreibt die Zeitschrift Europäische Sicherheit & Technik von einem um 490 mm auf 6875 mm verlängertem Rohr. Der Nishni Tagiler Fachblogger Gur Khan schreibt, dass die Rohrlänge auf 7 Meter vergrößert worden sei, das entspräche einer Verlängerung um 615 mm. Da die Länge des Rohres in unmittelbarem Zusammenhang auch mit der Manöverierfähigkeit des Fahrzeugs steht, ist eine Verlängerung um viel mehr als 500 mm sicherlich immer auch mit unerwünschten Einschränkungen verbunden, war doch bereits das Rohr der 2A46M von erheblicher Länge. Eine gewisse Kompensation ist wenigstens im Bereich der Turmstellung 12 Uhr dadurch erreicht, dass der Turm wegend der vergrößerten Bugsektion etwas nach hinten gerückt ist.

Kanone-125mm-2A82M1-04.jpg
 Bild 11

Kanone-125mm-2A82-01.jpg
 Bild 12

Unterhalb des Bodenstücks am hinteren Teil der Wiege befinden sich Baugruppen die der Fernbedienung des Verschlusses zugeordnet werden können. So muss es unter anderem möglich sein den Verschluss zu öffnen und auch ohne geladene Munition wieder zu schließen. Die Fotos, zumeist Screenshots aus TV-Sendungen, lassen auf hydraulische Stellantriebe schließen und auch auf solche mit Bowdenzug. Eine genaue Bestimmung ist derzeit nicht möglich. Am ganz hinteren Teil der Wiege unterhalb des Bodenstücks zeigen sich die bekannten angeschraubten Ausgleichsgewichte, die sicherstellen sollen, dass sich die geladene Kanone, gelagert in den Schildzapfen, im Gleichgewicht befindet und sie auch bei Trennung von der Höhenrichteinrichtung eine waagerechte Position selbständig halten kann. Das sichert optimale Bedingungen insbesondere für den Betrieb der Waffenstabilisierungsanlage. Das Foto 12 zeigt die linke Kanonenseite beim Rohrrücklauf während eines Schusses. Gut sichtbar sind die Kolbenstangen des Rohrvorholers (oben) und der linken der beiden Rohrrücklaufbremsen (unten). Die Hauptabfeuerung ist weiterhin die sogenannte elektrogalvanische Zündung. Ein vorliegendendes Patent zur Abfeuerung lässt aber offen, ob für die 2A82-1M ungeachtet dessen, dass der Turm besatzungslos ist, weiterhin eine doublierende  mechanische Schlagabfeuerung wie schon bei der Kanone 2A46 verwendet wird, die sogar ferngesteuert wiedergespannt werden könnte.

Die Funktion des neu entwickelten Verschlusses soll im Folgenden prinzipiell erläutert werden, wobei mögliche Änderungen und Abweichungen nicht ausgeschlossen sind. In Bild 13 ist die Kanone geladen und feuerbereit.

Kanone 2A82-1M Aufbau Verschluss
Bild 13

 

Kanone 2A82-1M Funktion Verschluss
Bild 14

Nach dem Schuss (Bild 14) läuft die Kanone unter der Kraft des Rückstoßes zurück, wobei mit Erreichen des maximalen Rücklaufweges die Sperrklinke (7) von der Federhülse (8) der Halbautomatik freigegeben wird und nach unten in Arbeitsstellung kippt. Beim anschließend erfolgenden Vorlauf der Kanone in die Ausgangsposition wird die Federhülse (8) von der Sperrklinke (7) festgehalten, worauf die Federhülse in das Bodenstück (1) hineingedrückt wird. Dabei werden die Öffnerfeder (9) und die Schließerfeder (14) zusammengedrückt.

Kanone 2A82-1M Funktion Verschluss
Bild 15

Im weiteren Vorlauf (Bild 15) presst der Abschlussdeckel der Federhülse (8) die Anschlagstange (10) gegen die Öffnerstange (11) und schiebt sie in sich zusammen. In der Folge drückt dann der Kopf der Öffnerstange (11) gegen den Anlenkarm des Winkelhebels mit Rolle (13), der kurbelartig direkt auf den Verschlusskeil (2) wirkt. Der Winkelhebel mit Rolle (13) wird unter der Anpresskraft verdreht, wodurch der Verschlusskeil (2) nach unten gezogen wird und sich dabei aus der keilformbedingten Anpresskraft vom Hülsenboden im Ladungsraum löst. Die "Schlaghülse" (12) der Öffnervorrichtung verbleibt jedoch gleichzeitig unter der Wirkung der Sperrnase (5), befindlich an der Oberseite der oben offenen Federhülse (8), unbeweglich stehen.
Die zweite Sperrklinke (15) am hinteren Teil der Federhülse (8) - im Bild 16 gesondert eingezeichnet - rastet in der seitlichen Aussparung an der hinteren Seite der Federhülse (8) ein und hält so die Federhülse in der erreichten Position fest.

Kanone 2A82-1M Funktion Verschluss
Bild 16

Bei Erreichen der Ausgangsposition des Bodenstücks (1) drückt die Auslösestange (6) gegen die Sperrklinke (7) welche die Federhülse (8) festgehalten hat, worauf sich die federbelastete Sperrklinke (7) von der Federhülse (8) löst. Die Federhülse (8), nun von der zweiten hinteren Sperrklinke (15) festgehalten, bleibt in der Betriebsstufe "Verzögerung" unbeweglich stehen. Öffnerfeder (9) und Schließerfeder (14) sind voll gespannt, die Halbautomatik ist bereit zum Öffnen des Verschlusses und zum Auswerfen des Hülsenbodens. Der Verschlusskeil (2) hat sich nun in eine Position soweit nach unten bewegt, dass die Reibungs- und Anpresskraft der Keilwirkung des Verschlusskeils aufgehoben ist, der Hülsenboden jedoch noch im Ladungsraum verbleibt und ihn zuverlässig gegen das Austreten von Pulvergasen aus dem Rohrinneren abdichtet.

Kanone 2A82-1M Funktion Verschluss
Bild 17

Bei Anliegen des Signals "Öffnen" wird die Sperrklinke (5) oben auf der Federhülse (8) freigegeben und die "Schlaghülse" (12) der Öffnervorrichtung wird freigegeben. Unter der Wirkung der Öffnerfeder (9) schlägt die "Schlaghülse" (12) gegen den Anlenkarm des Winkelhebels mit Rolle (13), der sich unter der einwirkenden Kraft verdreht und den Verschlusskeil (2) nach unten zieht. Bei der Abwärtsbewegung schlagen die Nocken (3) des Verschlusskeils (2) gegen die Hebelarme an der unteren Hälfte der Auswerferhebel (4); der Hülsenboden wird unter der erzeugten Hebelkraft nach hinten ausgeworfen. Gleichzeitig schlägt die Öffnerstange (11) gegen die Sperrnase (15) welche die Federhülse (8) festhält und gibt die Federhülse frei. Unter der Kraft der Schließerfeder (14) wird der Winkelhebel mit Rolle (13) nun entgegengesetzt verdreht und der Verschlusskeil (2) wird nach oben gedrückt. Die federbelasteten Auswerferhebel (4) rasten mit ihren Haken an den Fangnasen (3) am Verschlusskeil (2) ein und halten ihn in geöffneter Stellung fest. Die Kanone ist bereit für den nächsten Ladevorgang. Wenn der Hülsenrand der nachfolgend geladenen Treibladung gegen die Auswerferhebel (4) drückt, werden diese von den Fangnasen (3) am Verschlusskeil (2) gelöst und die Kraft der weiterhin gespannten Schließerfeder (14) kann den Winkelhebel mit Rolle (13) soweit verdrehen, dass der Verschlusskeil (2) vollständig schließt. Die Kanone ist nun wieder feuerbereit.

Über die leistungsgesteigerten neuen APFSDS-Geschosse für die Kanone 2A82, bzw. ihren großen Bruder, der 2A83, ist nur sehr wenig bekannt. Zwei konstruktive Merkmale werden die neue Munition von den bisherigen Geschossen unterscheiden. Zum einen ist das die deutliche größere Geschosslänge. Das Durchmesser/Längen-Verhältnis des APFSDS-Geschosses steht ja bekanntlich im direkten Zusammenhang mit der Durchschlagsleistung des Penetrators. Dieser kann aus einer Wolframlegierung bestehen, dann trägt die Geschossbezeichnung zusätzlich den Index "-1" oder ein Penetrator aus abgereichertem Uran, in Russland auch als "Material B" bezeichnet, wobei dann der Index "-2" angehängt wird und die Geschossspitze in roter Farbe markiert ist.
Und das zweite Unterscheidungsmerkmal ist die Führungseinrichtung aus drei Segmenten, die das Geschoss mit Führungsringen aus verschleißgünstigem Kunststoff vollständig und ohne zusätzliche Mitnutzung von Führungsnocken am Leitwerkes im Rohr führen. Die dadurch mögliche geringere Spannweite der Stabilisierungsflügel verringert den Luftwiderstand und im Ergebnis den Geschwindigkeitsverlust auf dem Weg zum Ziel. Die moderne Führungseinrichtung mit Kunststoffführungsringen senkt zusätzlich den Rohrverschleiß.
Im Internet kursieren unterschiedliche Informationen und Fotos über das neue Geschoss, die jedoch allesamt noch unbestätigt sind. Das Bild 18 zeigt eine der bekannt gewordenen Versionen als Ausschnitt aus einer CAD-Zeichnung und ein Foto eines Segmentes einer Führungseinrichtung die auf einem russischen Schießplatz gefunden wurde und möglicherweise der neuen Munition zugeordnet werden kann. Die Geschosslänge wird geschätzt mit einer Länge von etwas 930 bis 950 mm. Mit dieser Länge kann das Geschoss nicht aus einer 125 mm Kanone 2A46M verschossen werden.

Kanone 125mm 2A82 APFSDS VACUUM-2 bzw GRIFEL-2
Bild 18

Interessanterweise sollen Schießerprobungen mit der 152 mm Version eines Geschosses dieser Art und aus der Kanone 2A83 mit einem gegenüber der 125 mm Version 2A82 um einen Meter verlängertem Rohr keine signifikante Erhöhung der Durchschlagsleistung erbracht haben. Die Begründung für diese Enttäuschung wird darin gesucht, dass die deutliche Vergrößerung der Führungseinrichtung für das kalibergleiche Geschoss zu einer Gewichtserhöhung und zu größerem Widerstand im Rohr geführt hat. In der Folge wurde der Leistungsvorteil aus der größeren Treibladung und dem größeren Rohrkaliber wieder aufgezehrt.

Kanone-125mm-2A82 OF-82 TELNIK
Bild 19

Die weiteren Geschosse für die 2A82-1M sind mit der Kanone 2A46 standardisiert. Es gibt Bestrebungen, die HE-FRAG Geschossen zu modernisieren. So wurde das Geschoss OF-28 entwickelt, das neben der klassischen Füllung mit dem Sprengstoff HEXOGEN zusätzlich in der Geschossspitze ein Element mit vorgefertigten Splittern enthält. Diese Splitter werden bei der Detonation in einem nach vorne gerichteten Bündel besonders wirkungsvoll ins Ziel gebracht. Dazu ist das Geschoss mit einem Zünder ausgestattet dessen Detonationszeit nach der Zielentfernung programmiert werden kann um vor, über oder hinter dem Ziel zu zünden. Auch für die Hohlladungsgeschosse wird seit Längerem an Verbesserungen gearbeitet. Hier soll insbesondere die Fähigkeit entwickelt werden, auch Panzerfahrzeuge hinter Mehrschicht- und Reaktivpanzerungen wirkungsvoll zu bekämpfen.

Die Erprobungen des T-14 ARMATA werden mindestens bis ins Jahr 2020 weiterlaufen um nach Abschluss der Erprobungen eine Entscheidung herbeinzu führen, ob und mit welchen Modifizierungen und in welcher Stückzahl der Panzer letztlich beschafft werden soll. Diese Situation trifft prinzipiell auch für die Panzerkanone zu, deren Schicksal untrennbar mit dem ARMATA verbunden ist, da ihr Einsatz zur Modernisierung der vorhandenen Kampfpanzerflotte aus bereits weiter oben genannten Gründen nicht zweckmäßig erscheint.

 

Die technischen Daten zur Kanone sind aktuell nicht nachprüfbar und weitestgehend unbestätigt. Die Tabelle soll, soweit das derzeit möglich ist, einen Überblick über die Veränderungen an den 125 mm Kanonen seit ihrer Einführung geben. Die Daten werden fortgeschrieben, sobald neue Erkenntisse vorliegen.

Typ und Modifikation

2A46

2A46

2A46

2A46M

2A46M-4/-5

2A82

Ausgabejahr des Dokuments

1972

1981

1987

1993

 

 

max. zulässiger Rohrinnendruck [MPa]

~450

~450

~510

~510

~637

~770

normaler/maximaler Rohrrücklauf [mm]

250... 310/340

270 ... 325 /340

260... 300/310

260 ... 300/310

  n/a

.../ ~340

Länge des Rohres [mm]*1

6000

 

6150

Gesamtrohrlänge [mm] *2

n/a

6350

6383

6400

 n/a

 n/a

Länge des Ladungsraumes [mm]

840

 

 

Masse von Rohr mit Verschluss [kg]

n/a

1820

1820

1900

 n/a

2700

Masse des Rohres mit Rauchabsauger [kg]

n/a

n/a

n/a

1156

 

n/a

Masse des schwingenden Teils der Kanone [kg]

n/a

2675

2675

2500

 n/a

n/a

Masse Verschlusskeil [kg]

76

76

72,5

72,5

 n/a

n/a

Richtbereich vertikal (STAB ON) [Grad]

-5 ... +14

-5 ... +15

-5 ... +15

-5 ... +15

 n/a

n/a

max. Anfangsgeschwindigkeit APFSDS [m/s]

bis 1800

bis 2050

*1 - Die Rohrlänge gibt hier an den Teil des Geschossweges durch das Rohr.
*2 - Die Gesamtrohrlänge des Rohres umfasst nach sowjetisch/russischer Lehre das Rohr einschließlich Bodenstück
Anmerkung: Die sowjetische/russische Fachliteratur enthält unterschiedliche technische Daten zu den Panzerkanonen abhängig von der Modifikation und vom Ausgabejahr des Handbuches, sowie abhängig davon, ob es sich um eine Beschreibung und Bedienungsanweisung des Kampfpanzers, der Kanone oder eine entsprechende Schusstafel der Kanone handelt. Die Tabelle kann daher nur einen allgemeinen Überblick geben. Teilweise sind Werte offenkundig gerundet worden.

 

Quellen- und Literaturverzeichnis

1) Kampffahrzeuge der Uraler Waggonwerke - Panzer T-72, Media-Print, Russland, Niznii Tagil, 2004
2. Patent RU 2311603 Panzerkanone erhöhter Leistung
3. Patent RU 2307303 Einrichtung zum Bewegen des Verschlusses 
4. Patent RU 2330232 Einrichtung zum Bewegen des Verschlusses
5. Patent RU 2666505 Panzerkanone
6.
http://btvt.info/3attackdefensemobility/rugun.htm
7.
https://naukatehnika.com/chudo-orudie-armatyi.html
8.
https://zen.yandex.ru/media/gurkhan/2a82-super-pushka-dlia-armaty-5c31c4349175d500aabd6073
9.
https://zen.yandex.ru/media/gurkhan/2a82-pushka-est-i-pushki-net-5c4cb5e8c7776100ae885e79
10.
https://www.youtube.com/watch?v=rVtWp0wkqEA
11.
https://www.youtube.com/watch?v=GUdkI2KlSco
12.
https://www.facebook.com/esutde/photos/in-den-letzten-zehn-jahren-gab-es-nicht-nur-relativ-wenige-neu-entwickelte-kampf/1646101928984052/
13.
http://otvaga2004.ru/fotoreportazhi/voyennye-muzei/pod-indeksom-d-k-otkrytiyu-muzeya-9-go-artillerijskogo-zavoda/2/
14.
http://otvaga2004.ru/fotoreportazhi/voyennye-muzei/pod-indeksom-d-k-otkrytiyu-muzeya-9-go-artillerijskogo-zavoda/7/#guns
15. A 051/1/130 125-mm Panzerkanone 2A46 Beschreibung und Nutzung, 1984, DDR
16. A 051/1/106 Mittlerer Panzer T-72 Taktisch-technische Angaben, Turm, Panzerbewaffnung und Panzerspezialausrüstung, 1979, DDR
17. ST 250/4/005 125-mm Schusstafel D-81, 1981, DDR
18. Schusstafel für ebene und Gebirgsbedingungen der 125-mm Panzerkanone D-81 (2A46, 2A46M),  1987, UdSSR
29. Schusstafel 125-mm Panzerkanone D-81, 1972, UdSSR
20. 125-mm Panzerkanonen 2A46 und 2A46M, Beschreibung und Nutzung, 1983, UdSSR
21. Lehrbuch Die Panzerbewaffnung und ihr Einsatz, Staatliche Technische Universität Omsk, Buch II, Russland, 2012

Bildquellen

Bilder

 

1, 2, 5,  18

Internet

7, 8, 11, 12

Youtube.com, Telekanal SVESDA

3, 4, 10

Patent RU 2311603 Panzerkanone erhöhter Leistung

9

Patent RU 2666505 Panzerkanone

6, 13, 14, 15, 16, 17

Autor, nach Patent RU 2311603 Panzerkanone erhöhter Leistung

19

 Autor, nach Patent RU2399016 Splittergeschoss mit Richtwirkung

[Oben]

  Home    Ladeautomaten   Bewaffnung   Munition   Feuerleitanlagen   Stabilisatoren   Allgemeines   Impressum   Links   Neues  

 

 Copyright: Stefan Kotsch