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T-95

Neuer russischer Kampfpanzer der nächsten Generation
Einige Informationen und Gedanken zum Kampfpanzer "T-95"

Quelle: russische Patente "Hochgeschützter Kampfpanzer mit Zweimannbesatzung"(SPEZMASH, St Petersburg), "Turm für einen Kampfpanzer, "Kampfpanzer neuer Generation" und "Feuerleitanlage für Kampfpanzer" (KBTM, Omsk)
Stand: 08.02.2010

Seit Ende der 90er Jahre ist der zukünftige russische Kampfpanzer immer wieder Mittelpunkt heißer Diskussionen. Dennoch sind auf Grund der großen Geheimhaltung bisher keine konkreten Informationen bekannt geworden. Im Dezember 2007 gab Armeegeneral Nikolai Makarov, Verantwortlich für die Ausrüstung der russischen Streitkräfte, bekannt, dass die russische Armee plant, im Jahre 2009 einen konzeptionell völlig neuen Kampfpanzer in den Truppendienst zu übernehmen. Makarov erklärte, die Erprobung laufe bereits und werde in 2008 abgeschlossen. Entgegen allen Bekundungen wurde der neue Kampfpanzer bisher noch nie der Öffentlichkeit vorgestellt. Ursachen sind in der laufenden Umstrukturierung der russischen Streitkräfte zu suchen, wobei offensichtlich für die Kampfpanzer andere, neue Einsatzvorstellungen vorgesehen sind, die mit einer Konzeption wie sie der "T-95" verkörpert nicht mehr zu vereinbaren sind. Der Artikel stellt einen kurzen Abriss über die bekannt gewordenen konzeptionellen Ideen zum russischen Kampfpanzers der neuen Generation dar.
Der neue Kampfpanzer soll die gegenwärtigen ausländischen Mustern in allen Leistungsparametern übertreffen. Dabei zeichne sich der neue Kampfpanzer durch die Verwendung neuester, bisher nicht verwendeter Technologien aus. Neuartig werde insbesondere das Laufwerk, die Antriebsanlage, die Feuerleitanlage, die Zielerkennungs- und Erfassungsgeräte, ein integriertes Informations-Managementsystem und anders mehr sein. In diesem Zusammenhang machte Makarov deutlich, dass die erfolgreiche Einführung dieses Kampfpanzers in erheblichem Maße davon abhängt, ob die Zulieferbetriebe in der Lage sein werden, Baugruppen und Teile in der erforderlichen Qualität herzustellen. Die bisherige Situation habe sich hier, nach dem Zusammenbruch der UdSSR, in einigen Bereichen nur unbefriedigend entwickelt, bedauerte Makarov. Dass
Bereits Ende der 90er Jahre wurden von den Kostruktionsbüros SPEZMASH, St. Petersburg und KBTM Omsk Projekte entwickelt und patentiert, die auf einen Kampfpanzer neuster Generation hinauslaufen. Im Folgenden sollen die verfügbaren Informationen zusammengefasst werden.

T-95-01.jpgDer von SPEZMASH vorgeschlagene Kampfpanzer stellt den Schutz der zweiköpfigen Besatzung in den Mittelpunkt der Konstruktionsarbeiten. In der Patentschrift wird betont, dass, soweit möglich, bereits vorhandene, bewährte Baugruppen und Aggregate verwendet werden sollen. Neu ist im wesentlichen die Unterbringung der Besatzung in einer isolierten, gepanzerten Kapsel im Masseschwerpunkt des Panzers.

Neu bei diesem Projekt ist die Unterbringung der kompletten Antriebsanlage im Wannenbug. Der selbsttragende Wannenkörper besteht aus einer Grundpanzerung und zusätzlichen, abnehmbaren Panzerungsblöcken sowie Elementen reaktiver T-95-05.jpgPanzerung. Insbesondere der Wannenbug ist mit einem massiven zusätzlichen Panzerungsblock geschützt, der auch die Luftansauganlage aufnimmt. Der Triebwerksraum ist durch Panzerwände von den nachfolgenden Räumen getrennt. Der Zugang erfolgt über Montageluken auf dem Wannenoberteil. Zur Verbesserung der Sicht über die sehr weit vorstehende Bugnase wird eine TV-Kamera auf dem Wannenbug installiert. Das Kettenlaufwerk soll mit der bewährten Drehstabfederung an Schwingarmen ausgestattet werden. Eine regelbare hydropneumatische Federung ist durchaus denkbar.
Direkt hinter dem Triebwerksraum folgt der Besatzungsraum. Zu diesem Konzept entschlossen sich die Entwickler in Auswerung der Erfahrungen mit dem israelischen Kampfpanzer MERKAVA. Allerdings verweist das Patent auf einen gravierenden Mangel des MERKAVA, bei dem die Besatzung nicht isoliert von Bewaffnung und Munition und ohne Möglichkeit zur Hermetisierung des Kampfraumes untergebracht ist. Für den neuen Kampfpanzer wählten die T-95-02.jpgEntwickler deshalb eine sogenannte Kapsel, die an allen Seiten stark gepanzert ist und die völlige Isolierung von den anderen Räumen des Panzers garantiert. Hinter der am stärksten gepanzerten Trennwand zum Triebwerksraum sind die Baugruppen der Fahrzeugsteuerung, der Feuerleitanlage und die Ziel- und Beobachtungsgeräte untergebracht. Als Besatzung sind vorgesehen ein Fahrer und der Kommandant, der auch die Rolle des Richtschützen übernehmen soll. Die Feuerleit- und Fahrzeugführungsausstattung umfasst TV-Kameras, die im Restlichtbereich auch als Nachtsichtanlage genutzt werden, sowie Tagsicht- und Wärmebildbeobachtungsgeräte im Wannendach und zusätzlich an der Geschützplattform, deren Bild über LCD-Monitore an den Besatzungsplätzen angezeigt wird. Ein integriertes Informations-Managementsystem überwacht und regelt die Betriebsparameter aller Fahrzeugbaugruppen einschließlich des Triebwerks und der Waffenanlage, stellt die Navigation sicher, zeigt taktische Lageinformationen, garantiert die Funkverbindungen und umfasst ebenfalls den Feuerleitrechner und die Steuerung der Waffenricht- und stabilisierungsanlage. In der Kapsel ist ebenfalls das System der Lebenssicherung mit einer automatischen ABC-Spür- und Filterventilationsanlage, einer Klimanalage und der Steuerung der schnellwirkenden Brandunterdrückungsanlage untergebracht. Das System der Lebenssicherung ist so ausgelegt, dass der Besatzung ein ununterbrochener kompfortabler Aufenthalt über 72 Stunden garantiert wird. Über ein Panzerschott ist der Besatzung der Zugang zum sich hinten anschließenden Raum unter der Geschützplattform möglich.
T-95-03.jpgDie Geschützplattform trägt auf einer stark gepanzerten Kuppel eine Kanone in Scheitellafette und ein koaxiales Maschinengewehr. Dabei kann die Kanone vom Kaliber 125 mm oder größer sein. Die Gestaltung der Lafettenanlage ermöglich den Einsatz verschiedener Kaliber ohne größere Änderungen an der Konstruktion. Links und rechts der Rohrwiege, auf der Panzerkuppel, sind die Hauptzielfernrohre aufgehängt. Wobei ein TV-Tagsicht und ein Wärmebildzielfernrohr vorgesehen sind, deren Bilder auf Monitoren an den Besatzungplätzen in der Kapsel dargestellt werden. Das Bodenstück ist mit einer hermetischen Hülle versehen, in der die notwendigen Luken für das Auf- und Abmunitionieren und die Wartung vorhanden sind. Unterhalb der Panzerkuppel befindet sich das Munitionsmagazin in Form zweier symmetrischer, ineinander stehender Kassettenringe, die Elektronik der automatischen Ladeeinrichtung und die Handantriebe für deren Notbetrieb. Die gesamte Geschützplattform kann um 360 Grad gedreht werden, wobei das Laden in jeder Turmstellung möglich ist. Das Anheben der Munition und das Zuführen in den Ladungsraum der Kanone erfolgt über einen Hebelmechanismus.
T-95-07.jpgIm Heckteil, direkt hinter der Geschützplattform sind Baugruppen untergebracht, deren Ausfall nicht gravierend auf die Gefechtsbereitschaft des Fahrzeuges wirkt, die aber zu Wartungszwecken einen unkomplizierten Zugang erforden, wie zum Beispiel die Akkumulatoren der elektrischen Stromversorgung. Im Heckraum ist ebenfalls ein zusätzliches Bedienpult zur Steuerung der automatischen Ladeeinrichtung untergebracht. Große Zugangsluken ermöglichen für Wartungsarbeiten den Zugang zur Ladeeinrichtung und weiteren Baugruppen unter der Geschützplattform. Die Panzerung am Wannenheck ist über die besondere Gestaltung der Zugangsluken als Sollbruchstelle vorgesehen, um im Falle einer Explosion der Munition die Druckwelle nach hinten entweichen zu lassen. Aus diesem Grund ist auch die vorn gelegene gepanzerte Trennwand zur Besatzungskapsel so ausgelegt, dass sie einer Explosion im Munitionsmagazin standhalten kann. Am Wannenheck ist, analog wie am Wannenbug, eine zusätzliche TV-Kamera angebracht, die bei Rückwärtsfahrt die Sicht nach hinten ermöglicht.
Der Entwickler SPEZMASH verwies bereits in seinem im September 1999 veröffentlichten Patent darauf, dass die Realisierung dieses Kampfpanzers von der Verfügbarkeit modernster Technologien auf den Bereichen der Optik/Optronik und der Elektronik abhängt. Für Kettenlaufwerk und Antrieb wurde die Verwendung von Baugruppen vorhandener, durchkonstruierter Kampfpanzer empfohlen.

Obj.640-2.jpgEine andere Variante eines Kampfpanzers neuerer Generation liess sich das Konstruktionsbüro KBTM in Omsk patentieren. Dieser Kampfpanzer wurde als MBT BLACK EAGLE weltweit bekannt. Die Entwickler wählten eine eher konventionelle Variante mit dem Fahrerraum im Wannenbug, dem Kampfraum unterhalb des Turms und dem Antriebsblock im Heck. Allerdings wurden Kommandant und Richtschütze unterhalb des Turmdrehkranzes in einer hermetisierten, gepanzerten und von der Waffenanlage isolierten Kapsel untergebracht. Die Munition und die automatische Ladeeinrichtung sind in einem austauschbaren Transport-Ladecontainer untergebracht, am Turmheck eingehängt und damit von den Besatzungsplätzen getrennt worden. Auf eine drehbare Kommandantenkuppel wurde verzichtet, wegen der Position der MFD-blackeagle.jpgSitzplätze in einer hermetischen Kapsel im Turm unterhalb des Turmdrehkranzes können nur periskopische Ziel- und Beobachtungsgeräte sowie TV-Systeme verwendet werden. Die Entwickler beabsichtigten, ihren Kampfpanzer auch mit einem Gefechtsfeldradar auszurüsten, der zur Zielaufklärung und zur automatischen Zielbegleitung, eventuell als Funkmessvisier eingesetzt werden. Das Bild links zeigt eines der geplanten Multifunktionsbediengeräte, wie sie die Entwickler für Kommandant und Richtschütze vorgesehen haben. Alle Funktionen der Feuerleitanlage und der elektrischen Waffenrichtanlage, sowie die Darstellung der Sicht von Rundblickzielfernrohr, Hauptzielfernrohr, Wärmebildgerät, Hilfs-TV-Zielfernrohr und Gefechtsfeldradar sind in diesem Multifunktionsbediengeräte vereinigt. Außerdem bietet das Display Zugriff auf die Navigationsanlage, die taktische Lagedarstellung und die Betriebsparameter aller Aggregate des Panzers
Auf dem Turm sind die bekannten Schutzsysteme SHTORA und ARENA bzw DROZD sowie eine Nebelmittelwurfanlage Turm--blackeagle.jpgangeordnet. Die Turmpanzerung unterscheidet sich erheblich von der Panzerung der Türme, wie dem des T-90S. Der Turm ist außerordentlich flach gehalten und modulartig aufgebaut. Eine geschweißte Grundpanzerung wird mit autauschbaren Panzerungsmodulen und Blöcken reaktiver Panzerung ergänzt. Die Rohrwiege mit Kanone ist getrennt vom Turminnenraum im Zwischenraum des Turmgrundkörpers untergebracht. Rings um den Turmgrundkörper sind in der vorderen Halbsphäre austauschbare Panzerungsblöcke angebracht, die mit Elementen reaktiver Panzerung verstärkt sind. Auch die seitlichen und hinteren Turmteile sind mit reaktiven Panzerungsmodulen ausgestattet. Am Turmheck befindet sich die Aufnahme für den Transport-Ladecontainer. Ein ähnlich konstruierter Turm ist für die Modernisierung älterer Kampfpanzer entwickelt worden.

Wie der angekündigte neue russische Kampfpanzer letztlich aussehen wird, bleibt abzuwarten. Als relativ sicher kann angenommen werden, dass die Besatzung in einer gesonderten, gepanzerten Kapsel untergebracht sein und über modernste Führungs- und Feuerleitmittel verfügen wird. Munition und Waffenanlage sind von den übrigen Räumen des Kampfpanzers getrennt. Der Turm wird durch eine turmlose Scheitellafettierung oder einen Flachturm eine extrem kleine Silhouette aufweisen. Als Antriebsanlage wählen die Entwickler mit großer Wahrscheinlichkeit einen Hochleistungsdieselmotor, möglicherweise der Baureihe 2V, von 1200 PS oder mehr, der mit einem modernen automatischen hydromechanischen Schalt- und Lenkgetriebe gekoppelt ist. Das Kettenlaufwerk basiert auf dem bewährten Laufwerk des Kampfpanzers T-90, möglicherweise ergänzt um eine regelbare hydopneumatische Federung. Als Hauptbewaffnung greifen die Entwickler vermutlich zuerst auf die 125 mm Kanone 2A46M zurück. Sie ist bewährt und besitzt noch immer ein enormes, nicht voll ausgeschöpftes Entwicklungspotential. Die Leistungsfähigkeit der APFSDS-Munition für diese Kanone war bislang, neben anderen Problemen, durch die verfügbare Länge der Munitionskassetten limitiert. Durch die neuen Magazinformen wird es nun möglich sein, längere APFSDS-Geschosse zu verwenden. Die Turmgestaltung ist mit Sicherheit unter dem Gesichtspunkt gewählt, dass der spätere Einbau einer Kanone größeren Kalibers ohne größere Änderungen erfolgen kann.

Kritisch kann angemerkt werden, dass die isolierte Unterbringung der Besatzung den direkten Kontakt mit dem Gefechtsfeld über die direkte Rundumsicht durch Winkelspiegel oder bedarfsweise über die offene Luke kaum ermöglicht. Erfahrungen aus allen Kriegen zeigen bis in die heutige Zeit immer wieder, dass der unmittelbare visuelle und akustische Kontakt zum Gefechtsgeschehen von größter Wichtigkeit für zweckmäßige Entschlüsse bereits auf der Führungsebene des Einzelpanzers ist. Es wird sich zeigen, ob die verantwortlichen russischen Militärs bereit sind, sich von taktischen Vorstellungen der in Panzerschlachten überwiegend angriffsweise und in großen geschlossenen Formationen handelnden Panzertruppen zu trennen.

[Oben]

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