[Unten]

  Home    Ladeautomaten   Bewaffnung   Munition   Feuerleitanlagen   Stabilisatoren   Allgemeines   Impressum   Links   Neues  

Inhalt:

125 mm 2A46

 

Die russischen Panzerkanonen 2A46 ( Kanone D-81TM ) und 2A46M

Part I  Part 2

2A46

Unter der Werksbezeichnung 2A26 wurde Anfang der 60er Jahre im Konstruktionsbüro Nr. 9 mit der Entwicklung einer neuen glattrohrigen 125 mm Kanone begonnen, die später im Werk Nr. 9 in Ekaterinburg in Serie produziert und erstmals 1968 im Kampfpanzer T-64 in Serie eingebaut wurde. Der T-64 war zuvor mit der 115 mm Kanone D-68 bewaffnet, bis die neue 125 mm Kanone produktionsreif war. Im der Truppenerprobung zeigten sich schnell einige Mängel an der 2A26, insbesondere hoher Rohrverschleiß machte sich bemerkbar. Schon ein Jahr später, 1969, war die Weiterentwicklung 2A26M verfügbar, die als 2A26M-2 auch in den ersten Kampfpanzern T-72 eingebaut wurde. Im Jahre 1970 erfolgte eine grundlegende Modernisierung, in deren Ergebnis die Kanone den Index 2A46 erhielt. Diese Kanone wurde die zukünftige Standardpanzerkanone aller bisherigen sowjetisch/russischen Kampfpanzer. Für die Kampfpanzer T-64 und T-80 wird wegen der notwendigen Anpassungen an die Feuerleitanlage, den Waffenstabilisator und den Ladeautomaten der Index 2A46-1 verwendet. Für den Verschuss der Rohrrakete KOBRA für T-64B und T-80B wurde die Kanone zur 2A46-2 modifiziert.

wichtige technische Daten der 2A46:

Kaliber

125 mm

Rohrlänge

6000 mm

Länge Ladungsraum

840 mm

Rohrgewicht, komplett

1900 kg

Gewicht Bodenstück

722 kg

Rohrrücklauf,  normal/maximal

260 mm ... 300 mm / 310 mm

Rücklaufgeschwindigkeit / Zeit

8 ... 15 m/s  /  ca. 0,03 sec

Vorlaufgeschwindigkeit / Zeit

1 ... 2 m/sec  /  0,3 sec

max. Rohrinnendruck (APFSDS)

5100 kp/cm2

Die Hauptbaugruppen der Kanone sind das Rohr mit Wärmeschutzhülle und Ejektor (Rauchabsauger), der Verschluss mit Halbautomatik, die Rohrwiege, die Rücklaufeinrichtung, die Abfeuerungseinrichtung und die Richtmechanismen. Letztere gehören nach russischer Fachterminologie zur Kanone. Das Rohr besteht aus einem Stück, lediglich im Bereich des Ladungsraumes ist das Rohr doppelwandig ausgeführt.

Ladeeinrichtung_1.JPG Lafette PKT_1.JPG DSCF0158.JPG

Bild 1 zeigt das Bodenstück der Kanone aus Sicht des Richtschützen. Die Kanone ist mit der roten Zurrstange in Marschlage gezurrt. Oben am Bodenstück ist der dunkelgraue Öffnerhebel sichtbar, mit dem der Verschluß durch den Kommandanten geöffnet wird. Wegen der Platzverhältnisse und daraus resultierenden der ungünstigen Kraftzüge ist dazu ein erheblicher Kraftaufwand notwendig. An der linken oberen Seite des Bodenstückes ist die Aufnahme für die Erhöhungslibelle angeschweißt, die normalerweise in der Turmnische abgelegt ist. An der unteren Seite ragt das zylindrische Ende der hydropneumatischen Rohrücklaufbremse hervor. Neben ihr, im Bild nicht erkennbar, befindet sich der Luftvorholer. Das Bild 2 zeigt die rechte Seite des Bodenstücks mit der Lafette des 7,62 mm MG PKT und der Sicherung der mechanischen Abfeuerung. Die Sicherung, im Bild links unten, muss vom Kommandanten beim Abfeuern im Notbetrieb betätigt werden. Die Arretierung mit dem Zugring dient der Befestigung des Hülsenkastens, der im Foto nach unten herab hängt. Das Bild 3 zeigt die Kanone in maximaler Rücklaufposition. Gut sichtbar sjnd die Gummipuffer am Wiegenrohr, die den Rücklaufstoß mindern. Die flache Stahlschiene verhindert ein Verdrehen des Bodenstücks in Bezug zur Rohrwiege. Im linken Bildteil ragt der Hebel hervor, der in der Ausgangsposition am Wiederspannhebel für die Schlageinrichtung anliegt. Eine Parallelfunktion dieses Hebels ist das Schließen des Verschlusskeils. Dazu wirkt der Hebelmechanismus auch auf die Auswerferhebel ein, was zum Freigeben und Schließen des Verschlusses führt. An der Turmdecke rechts neben dem Bodenstück ist die elektromechanische Kanonenzurrung befestigt. Sie zurrt die vertikale Bewegung der Kanone während des Ladezyklusses der automatischen Ladeeinrichtung. Der kleine Rollenhebel mit elektrischem Endschalter, der rechts über den Schutzabweise nach innen in den Rücklaufweg der Kanone hinein ragt, hat die Aufgabe, bei Beginn des Rücklaufes bis zum vollständigen Vorlauf den Vertikalstabilisator zu zurren. Damit soll ein Schlagen der Kanone beim Schuß verhindert werden, was die Streuung unzulässig vergrößern und die Richtanlage überlasten könnte.

Die Lebensdauer des Rohres (Stand 1986) beträgt in etwa maximal 900 Schuss mit Splittersprenggranaten bzw. Hohlladungsgranaten. Die mit einer zusätzlichen Treibladung versehene Unterkalibergranate verursacht durch den hohen Rohrinnendruck erheblichen Verschleiß. So soll bei einem Schuss mit Unterkalibergranate eine Rohrauswaschung von etwa 57 Gramm stattfinden. Infolge dessen erhöht sich das notwendige Moment der Hydraulikpumpe des Vertikalstabilisators nach 15 Schuss mit Unterkalibergranaten um 1 kpm. Zum Ausgleich können am vorderen Teil des Ejektors Gewichtsringe verschraubt werden, welche die Stabilisierungsgenauigkeit wieder herstellen sollen. Im Ladungsraum wird beim Schuss gleichfalls Material ausgewaschen. Beim Schießen mit Unterkaliber vergrößert sich pro Schuss der Durchmesser des Ladungsraumes um 0,019 mm, bei den anderen Munitionsarten um etwa 0,002 mm. Das hat zur Folge, dass sich das Innenvolumen des Rohres vergrößert, der maximal mögliche Rohrinnendruck sinkt und sich letztendlich die Anfangsgeschwindigkeit des Geschosses verringert. Die Streuungsellipse vergrößert sich. Dazu können aus der Schusstafel die entsprechenden Werte entnommen werden. Im Zielfernrohr kann darüber hinaus zur Korrektur, neben drei weiteren Werten, auch die Ladungsraumvergrößerung berücksichtigt werden 

2A46_1.jpgAnsicht der 2A46 von vorne links
Rohrwiege (1), Anschlagdämpfungsgummis (2), Drehsicherung/Befestigungsarretierung Bodenstück/Rohr (3+4), Halterung für Erhöhungslibelle (5), Verschlußkeil (6), Fester Abweiserteil (7), Befestigungspunkt Auswurfrahmen (8), Teile der Schlagbolzenwiederspanneinrichtung (9+10) gleichzeitig Betätigung zum Schließen des Verschlußkeils, Teile der Zahnsegmenthöhenrichtmaschine (11), Verbindungsstellen zum Hauptzielferrohr TPD-K1 (12-14), Schildzapfen der Kanone (15)

2A46_2.jpgAnsicht der 2A46 von rechts
Aufnahme Zurrstange (1+2), Aufnahme des Arretierungsbolzens für die Kanonenarretierung im Ladewinkel (3), Rohrwiege (4), Befestigungspunkt Maschinengewehrlafette (5), mech. Schussverblockung für den Notbetrieb (6), Aufnahmepunkt des Rahmens der Hülsenfangeinrichtung (7), Rohrrücklaufanzeiger (8), Kontrolldiagramm für die Wartung der Rohrrücklaufeinrichtung. (9), Fester Abweiser mit Ausgleichsgewichtsplatten (10)

Der in der Rohrmitte befindliche Ejektor hat die Aufgabe, nach dem Schuss im Rohr befindliche Pulvergase und Treibladungsteile nach vorne aus dem Rohr abzusaugen. Nach dem das Geschoss die Bohrungen im Kanonenrohr in Höhe des Ejektors passiert hat, füllt sich der Hohlraum des Ejektors mit Pulvergasen. Nach dem Verlassen der Rohrmündung , entspannen sich die komprimierten Gase und strömen mit ca. 500 m/sec durch die schräg nach vorn gerichteten Bohrungen durch das Rohr, erzeugen dabei einen Unterdruck im hinteren Rohrteil und reißen Pulvergase und feste Treibladungsteile nach vorn aus dem Rohr heraus.

Die Wärmeschutzhüllen sollen die Rohrverbiegung des sehr langen Rohres mindern. Sie bestehen aus 4 Blechen mit Abstandsgummis, die um das Rohr gebogen und mit Rohrschellen befestigt werden. So kommt es zum Beispiel ohne Schutzhüllen bei Sonneneinstrahlung von zu einer Verbiegung von bis 0,8 Strich. Bei einer Schussentfernung von 2000 m sind das schon 1,6 Meter. Ähnliche Wirkung hat Regen auf das heißgeschossenen Rohr.

Das Bodenstück mit Halbautomatik der 2A46 ist prinzipiell analog dem Bodenstück der 100 mm Kanone D-10 aufgebaut. Das Bodenstück umfasst den Flachkeilverschluss2A46_01.jpg Verschluss_1.jpg Gut zu sehen ist der Öffnerhebel rechts mittig im Bild. Die Blaupause zeigt die Rückseite des Bodenstücks der 2A46. Oben der bekannte Öffnerhebel und die Aufnahme der Zurrstange. Im Zentrum befindet sich die runde Lademulde und dahinter der Verschlusskeil mit der elektrischen Zündübertragung. Rechts vom Verschlusskeil ist am Bodenstück eine bewegliche Ladeschale angebracht, die beim Öffnen des Verschlusses selbstätig nach innen klappt und Geschoss sowie Treibladung beim Laden gegen seitliches abgleiten sichert. Unten am Bodenstück sind von rechts die hydropneumatische Rücklaufbremse, der Luftvorholer und die elektromechanische Abfeuerung angebracht. In der Zeichnung gut erkennbar sind die verschraubten Ausgleichsgewichte. Mit ihnen wird die Kanone ausbalanciert, um den Vertikalstabilisator nicht zu überlasten. Außerdem können zusätzliche Gewichte angeschraubt werden, wenn sich durch die Rohrauswaschung das Rohrgewicht verringert. Das rechte Foto zeigt einen Blick auf das Bodenstück vom Kommandantenplatz aus. Eine weitere Ladeschale an der Rückseite des Bodenstücks überbrückt den Abstand zur Munitionskassette während des Ladens. Die Zunge des Kassettenteils für die Treibladung ragt von links unten ins Foto und zeigt deutlich den Abstand zum Bodenstück.
Die Rohrrücklaufeinrichtung verringert die Rückstoßkraft um das 10 bis 15 fache. Die Rückstoßkraft beträgt beim Schießen mit Unterkaliber schon runde 340 Tonnen. Als Füllung für die Rücklaufeinrichtung wird STEOL-M bzw. POSCH-70 verwendet. Diese Flüssigkeiten arbeiten unter einem Arbeitsdruck von bis zu 500 kp/cm2 und bei erheblicher Erwärmung ohne ihr Volumen bedeutend zu vergrößern. Der Ausdehnungskoeffizient bei Temperaturerhöhung um 1 Grad Celsius beträgt lediglich 0,00065. 

2A46_Zuendkontakt.jpg2A46_Verschlusskeil.jpg2A46M-5_021.JPGDie Abfeuerungseinrichtung besteht aus der mechanischen Schlageinrichtung, mit der Möglichkeit, den Schlagbolzen vom Richtschützenplatz aus beliebig oft nachzuspannen und der elektrischen Zündeinrichtung. Im Verschlußkeil befindet sich dazu ein Schlagbolzen (23) in elektrisch isolierter Führung (22), ein Schlagstück (20), die Schlagfeder (21) und eine Mechanik (24) die den Schlagbolzen beim Öffnen des Verschlusses zurückzieht (25) bzw. beim Schließen wieder nach vorn gegen den Hülsenboden drückt. Diese Mechanik gewährleistet auch die Übertragung des elektrischen Zündimpulses (4 ; 25) über den Schlagbolzen auf die Anzündladung. Völlig unabhängig vom Zündverlauf wird das Schlagstück (20) ausgelöst und doubliert die elektrische Zündung. Die Zündverzögerung beträgt 0,08 sec bei elektrischer Zündung und 0,16 sec für die doublierenden Schlagbolzenzündung.

Im Jahr 1984 erfolgte die nächste umfassende Modernisierung zur Kanone 2A46M. Diese Modernisierung behob einige Mängel, die sich im Verlauf des Truppendienstes gezeigt hatten. Die 2A46M in unterschiedlichen Anpassungen für T-72, T-64, T-80 und T-90 ist bisher die Standardkanone aller russischen Kampfpanzer.

Part I  Part 2

[Oben]

  Home    Ladeautomaten   Bewaffnung   Munition   Feuerleitanlagen   Stabilisatoren   Allgemeines   Impressum   Links   Neues  

 

To Online-Translation click here!Copyright: Stefan Kotsch