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ESSA

 

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Das Wärmebildzielfernrohr ESSA

Quellen: Russisches Patent "Feuerleitanlage", Kostruktionsbüro Uralvagonzavod, Russland, Niznii Tagil, 11.01.2000;
Herstellermaterialien Firma PELENG, Rep. Belarus, 2005

Ein nicht unerheblicher Nachteil der bisher in den T-80 und anfänglich auch im T-90 verwendeten Infrarotnachtsicht- und Wärmebildzielfernrohre TPN-4 und NOCTURNE bzw. AGAVA begründet sich darin, dass diese Geräte insbesondere in der vertikalen Ebene abhängig von der Panzerkanone stabilisiert waren. Befand sich während des laufenden Ladezyklusses der automatischen Ladereinrichtung das Rohr der Kanone unbeweglich im Ladewinkel, war gleichzeitig auch die Visierlinie des Nachtzielfernrohres in der vertikalen Ebene unstabilisiert. Eine ununterbrochene Gefechtsfeldbeobachtung war dadurch nur noch stark eingeschränkt möglich, die Zielverfolgung unmöglich. Technisch war nämlich der Ausblickspiegel der alten Nachtzielfernrohre über ein kompliziertes Parallelogrammgestänge an die vertikalen Bewegungen der Rohrwiege gekoppelt. Eine Steuerung der Vorhalte und Erhöhungswinkel über einen ballistischen Rechner in Verbindung mit der Waffenstabilisierung war damit nur bedingt zu realisieren und wegen der relativ geringen Sichtweite der älteren Nachtzielfernrohre, die im Bereich der Weite des direkten Schusses 1 lag, auch nicht unbedingt notwendig.
Bei vielen modernen Hauptzielfernrohren verlaufen der Tag- und auch der Nachtsichtkanal durch eine gemeinsame Ausblickbaugruppe mit entsprechender Stabilisierung der Visierlinien in zwei Ebenen. Vermutlich aus ökonomischen Gründen sahen sich aber die sowjetischen Konstrukteure veranlasst, das bewährte, allerdings technologisch veraltete Zielfernrohr 1G46 auch im Kampfpanzer T-90 zu verwenden. Um aber die große Sichtweite des Wärmebildzielfernrohres nutzen zu können, musste die Visierlinie des ESSA unabhängig stabilisiert und in die Steuerung durch den ballistischen Rechner eingebunden werden. Ein Vorteil der Nutzung zweier autonomer Zielfernrohre besteht wenigstens darin, dass bei Ausfall des Hauptzielfernrohres das zweite Zielfernrohr als Hilfszielfernrohr zur Verfügung steht.

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Bild 1

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Bild 2

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Bild 3

Das ESSA besteht aus der Ausblickbaugruppe, dem Kameraträger, den Bedienpulten für Kommandant und Richtschütze mit Monitoren und den elektrischen und elektronischen Verbindungsbauteilen. Kameraträger und Ausblickkopf mit integrierter Visierlinienstabilisierung werden vom weissrussischen Unternehmen PELENG hergestellt. Die Wärmebildkamera CATHERINE-FC liefert die französische Firma THALES. Bild 1 zeigt das Gerät mit Ausblickbaugruppe, Kameraträger und einen Röhrenmonitor älterer Bauart. Bild 2 erlaubt noch einen detailierten Blick auf das Wärmebildgerät, die Kamera ist nicht eingebaut. Sie kann unkompliziert ausgewechselt werden, wie Bild 3 zeigt. Die Kamera wird dazu lediglich im Kameraträger verschraubt und schließt mit ihrem Objektiv oben an den optischen Kanal der Ausblickbaugruppe an. Es ist durchaus möglich, eine Kamera anderen Typs zu verwenden.
Die Besonderheit des ESSA besteht darin, dass die stabilisierte Ausblickbaugruppe in der vertikalen und horizontalen Ebene direkt und ausschließlich elektrisch an die Bewegungen der Visierlinienstabilisierung des Hauptzielfernrohres gekoppelt ist. Dazu ist die Ausblickbaugruppe des ESSA mit einer elektronisch/elektromechanischen Stabilisierung der Visierlinie in der vertikalen Ebene ausgestattet, während die Visierlinie in der horizontalen Ebene der Horizontalbewegung der Visierlinie des Hauptzielfernrohres abhängig stabilisiert nachgeführt wird. Auf die unabhängige Stabilisierung ebenfalls in der Horizontalen hat man offenbar aus Kostengründen verzichtet.
Die Koppelung des ESSA an das Hauptzielfernrohr ermöglicht vor allem einen einfachere Konstruktion der Ausblickbaugruppe und zum anderen die uneingeschränkte Nutzung aller Leistungsmerkmale des Hauptzielfernrohres und des digitalen ballistischen Rechners. Weil die beiden Visierlinien ununterbrochen auf einen gemeinsamen Justierpunkt ausgerichtet werden, kann bei Beobachtung über den Monitor des ESSA der Laser-Entfernungsmesser des Hauptzielfernrohres genutzt werden und es kann auch Nachts mit dem Lenkflugkörpersystem REFLEKS geschossen werden, dessen Laserleitstrahl ebenfalls vom Hauptzielfernrohr ausgestrahlt wird. Schlussendlich werden alle vom ballstischen Rechner an das Hauptzielfernrohr ausgegebenen Korrekturen, Vorhalte und Erhöhungswinkel synchron vom Wärmebildzielfernrohr übernommen. Die Abweichung in der gemeinsamen und synchronen Führung beider Visierlinien beträgt maximal 0,5 Winkelminuten in beiden Ebenen.
Ein Mangel der beschriebenen konstruktiven Lösung besteht darin, dass das System zur automatischen Zielverfolgung (Autotracking), das bisher in Verbindung mit Wärmebildgeräten realisiert wurde, mit dem ESSA nicht funktioniert, weil die Ausblickbaugruppe des ESSA nicht die Waffennachführ- und Waffenstabilisierungsanlage ansteuern kann, was für die automatisierte Zielverfolgung auf Basis des Wärmebildkontrastes aber zwingend notwendig ist.

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Bild 4

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Bild 5

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Bild 6

Bild 4 zeigt einen der beiden Monitore in der älteren Röhrenbauart, Bild 5 zeigt den gegenwärtig verwendeten LCD-Monitor. Neben der mechanisch robusteren Bauart des LCD-Monitors konnte auch die Einbautiefe erheblich verringert werden. Auf dem Monitor wird das Sehefeld entweder in der kleinen oder der großen Bildauflösung dargestellt, zusätzlich erlaubt die Wärmebildkamera auch einen zusätzlichen, digital generierten Zoom. Am unteren Bildrand des Monitors sind der Status der Feuerfreigabe, die gewählte Munitionsart, die Schussentfernung und der jeweils aktive Schütze, also Kommandant oder Richtschütze, dargestellt. Ein Zugriff auf die Kontrasteinstellung befindet sich ebenfalls am Monitor. Alle weiteren Bedienelemente für das Wärmebildgerät sind an den beiden Bedienpulten, im Bild 6, angeordnet. das sind der Hauptschalter, die Taster für den Vergrößerungswechsel, der Taster für den Wechsel zwischen Normal und Negativ-Bild, um Wärmequellen entweder hell oder dunkel darzustellen, und das gemeinsame Potentiometer für Kontrast- und Schärfeeinstellung.

T-90S_011.jpg
Bild 7

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Bild 8

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Bild 9

Der Ausblickkopf des ESSA wird, wie schon bei den vorherigen Nachtsichtgeräten, durch eine gepanzerte Haube, im Bild 7, auf der Turmdecke geschützt. Unverständlich ist, dass die Öffnung vor dem Ausblickspiegel wie schon beim TPN-1 aus den 50er Jahren mit einer verschraubten Platte verschlossen wird und keine von innen bedienbare Klappe erhielt. Das erschwert die Möglichkeit, das ESSA bei Bedarf auch am Tage ständig einsatzbereit zu halten, ohne auf einen Splitterschutz zu verzichten. Das Bild 8 erlaubt einen Blick durch die Richtschützenluke des T-90S, der im Jahre 2006 noch mit dem Röhrenmonitor ausgestattet war. Im nächsten Bild 9 die gleiche Ansicht aus dem Jahr 2007, hier ist der Monitor bereits gegen einen LCD-Flachbildschirm ausgetauscht worden. Gut erkennbar ist das weiße Gehäuse der Wärmebildkamera direkt links neben dem Hauptzielfernrohr 1G46. Links von der Kamera wurden der Monitor und das Bedienpult untergebracht. Aus ergonomischer Sicht ist gerade die Anbringung des Monitors derart weit links vom Hauptzielfernrohr nicht optimal. Der Richtschütze muss zum Beobachten seinen Kopf längere Zeit in einer unnatürlichen Haltung verharren lassen, was unvermeidlich zu Ermüdung führt. Ein gemeinsames Mehrkanalzielfernrohr, solche Geräte sind in Russland längst Serienreif, wäre schon aus diesem Grund ganz sicher die bessere Wahl.

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Bild 10

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Bild 11

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Bild 12

Ähnlich beengte Platzverhältnisse herrschen am Kommandantenplatz vor, wie die letzten Bilder zeigen, im Bild 10 wieder die ältere Version mit dem Röhrenmonitor, im Bild 11 dann schon mit dem LCD-Flachbildschirm. Übernimmt der Kommandant die Führung der Hauptbewaffnung über das ESSA, nutzt er den Joystick an der rechten Seite seines Beobachtungs- und Zielfernrohres TKN-4. Auch die für den Kommandanten gefundene Lösung zur Anbringung des Monitors ist wegen der beengten Platzverhältnisse ein Kompromiss, auch wenn sich der Kommandantenmonitor sicher deutlich entspannter betrachten lässt als der Richtschützenmonitor.
Für die Modernisierung des T-72 hat PELENG eine Modifikation des ESSA entwickelt, das ESSA-72, das im Bild 12 gezeigt wird. Weil der T-72 mit dem inzwischen veralteten Hauptzielfernrohr TPD-K1 ausgestattet ist, entfällt die Synchronisation der beiden Visierlinien. Dafür wird die in zwei Ebenen stabilisierte Visierlinie des ESSA-72 durch einen eigenen digitalen, ballistischen Rechner angesteuert, der alle zum Schießen notwendigen Berechnungen ausführt. Mit dem ESSA-72 erhält der Kommandant des T-72 erstmals die Möglichkeit, von seinem Platz aus die Führung der Hauptbewaffnung zu übernehmen. Für die Modernisierung des T-80U ist die Modifikation PLISSA entwickelt worden, die ähnliche Leistungsparameter wie das ESSA-72 besitzt.

 

Wichtige technische Daten des ESSA:

 

ESSA

ESSA-72

Beobachtungsreichweite, mindestens

kleines Sichtfeld

mind. 10 km

8,6 - 11,7 km

großes Sichtfeld

n/a

3,5 - 4,7 km

Identifizierungs- und Schussreichweite, mindestens

kleines Sichtfeld

k. A.

k. A.

großes Sichtfeld

4 - 5 km

3,5 - 4,7 km

Spektralbereich

8 - 12 micrometer

Sichtfeld

groß

9°x 6,75°

klein

3° x 2,25°

elektronischer Zoom

1,12° x 1,5° (kleines Sichtfeld x 2)

Sichtfeldstabilisierung

unabhängig in 2 Ebenen

abhängig in beiden Ebenen

Richtwinkel des Ausblickspiegels Vertikal

± 7,5°

Richtwinkel des Ausblickspiegels Horizontal

10° - +20°

Stabilisierungsgenauigkeit, maximale mittlere Abweichung

0,1 milirad

Visiserlinenabweichung Vertikal und Horizontale, max.

max 0,5 Winkelminuten

0,3 millirad

Visierliniendrift Vertikal und Horizontal, max.

-

5 millirad/minute

Wärmebildkameramodul

Catherine-FC (Thales, Frankreich)

Leistungsaufnahme

150 Watt

n/a

Zeit bis zur Betriebsbereitschaft

k.A.

(1 - Weite des direkten Schusses - ist die Schussentfernung, bei der die Höhe der Flugbahn bei angerichteter Zielunterkante die Zielhöhe während der gesamten Flugbahn nicht überschreitet. Die Weite des dir. Schusses auf 2 Meter Zielhöhe mit der Kanone 2A46 und APFSDS-Geschoss: beträgt etwa 2100 Meter

 

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Stefan Kotsch